Siedlungsgeschichte
Von
der Planung bis zur Fertigstellung
Zeichnungen
bezeugen, dass Fritz Schumacher, ehemaliger Oberbaudirektor der Freien und
Hansestadt Hamburg, sich bereits 1918 mit der Planung einer
Kleinhaussiedlung beschäftigt hat. Fest stand allerdings noch nicht, wo
genau diese Siedlung gebaut werden sollte.
Nachdem
die Planung 1919, kurz nach Kriegsende, schnell voran schritt und die
Wohnungsnot groß war, beschloss die Bürgerschaft auf Antrag des
Senats den Bau dieser Kleinhaussiedlung in Hamburg-Langenhorn. Die Stadt
konnte nicht wie bisher auf Privatinitiativen zum Wohnungsbau warten,
sondern musste selbst aktiv werden.
Fritz
Schumacher wollte mit dieser Siedlung, die für damalige Verhältnisse
weit außerhalb der Stadt lag, Wohnraum für Kriegsteilnehmer,
Kriegsversehrte und kinderreiche Arbeiterfamilien schaffen.
Aus
Geldnöten bestand die Bauweise vorwiegend aus Reihenhäusern. Auf
Sielanschlüsse musste wegen der Entfernung zur Stadt verzichtet werden.
Jede Wohnung wurde mit einer sogenannten "Schwindgrube"
ausgestattet. Die Fäkalien wurden von den Siedlern in den ca. 650 qm
großen zur Wohnung gehörenden Gärten verarbeitet.
Mit Obst-
und Gemüseanbau sollten die Gärten in erster Linie der Selbstversorgung
dienen. Die Siedler sollten außerdem die Möglichkeit erhalten,
Kleintiere wie Hühner, Enten, Gänse, Kaninchen aber auch Schafe, Ziegen
und Schweine zu halten.
Wer über
Schumacher informiert ist und verschiedene seiner Bauten kennt, weiß,
dass er den Backstein bevorzugte. Da dieses Baumaterial nach dem Krieg
nicht zu haben war, musste Schumacher sich mit der von der Bürgerschaft
beschlossenen "Ersatzbauweise" begnügen. Da der Zement knapp
war, musste teilweise auf Lehm zurückgegriffen werden, Hohlräume in
Wänden wurden mit Torfmull oder Schlacken aufgefüllt, Munitionskästen
dienten als Fundament. Die Not machte erfinderisch.
Der erste
von Schumacher angegebene Einzugstermin war der 1. Oktober 1919. Es kam
immer wieder zu Verzögerungen, weil z.B. der Zementmangel immer größer
wurde, die Beschaffung anderer Baustoffe Probleme bereitete, der
vorzeitige Winter eine Unterbrechung erforderte, ungewöhnlich hohe
Grundwasserstände Schwierigkeiten bereiteten, Streiks durchgeführt
wurden und ... und ... und.
Am
1.4.1920 konnte dann endlich der erste Wohnblock in der Tangstedter
Landstraße 183 - 199 bezogen werden. Im September 1921 konnten dann auch
die letzten Häuser bezogen werden.
Von den
ursprünglich ca. 800 geplanten Wohnungen und Wirtschaftsgebäuden wurden
bis 1921 aus Kostengründen nur 660 fertig gestellt.
Die
endgültige Bebauung setzt sich aus 2/3 Reihen- und 1/3 Doppelhäusern
zusammen. Die einzelnen Häuser haben
eine Wohnfläche von ca. 75 – 80 qm und ca. 650 qm Gartenland.
Mit
der Umsetzung dieses Baus führte Hamburg seinen ersten städtischen
Wohnungsbau durch und schuf damit die erste große
Stadtrandreihenhaussiedlung in Europa.
Wegen der
verwendeten Ersatzbaustoffe sagte man der Siedlung eine Lebensdauer
von 50 Jahren voraus.
Das heutige
schmucke Aussehen der Siedlung ist hauptsächlich den Bewohnern
selbst zu verdanken, denn sie haben auf eigene Kosten und mit
eigener Arbeitskraft die Häuser von innen total renoviert,
Heizungen und Bäder eingebaut. Nur ganz wenige Häuser befinden
sich heute noch im "Urzustand".